Susanne Ahlendorf
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Kurz-Artikel 

Ein Ja zur Wandlung

In gewissen Phasen spüren wir: So kann es nicht weitergehen. Das was wir wissen oder eher fühlen ist, es braucht eine Wendung. Wir stehen also vor einer Schwelle, die keinen Namen trägt, ohne klare Richtung – nur ein leises Fragen und inneres Innehalten. Diese Momente im Leben sind entscheidend, denn sie fordern uns auf, innezuhalten und zu reflektieren, anstatt einfach weiterzugehen.


Eine Art Dilemma offenbart sich, wenn wir das Gefühl haben, zwischen zwei Polen angehalten zu sein – wie Nähe und Freiheit, Geist und Körper. Das ist keine Schwäche oder ein Fehler, sondern eine tiefgreifende menschliche Erfahrung. Sie lädt uns ein, tiefer zu gehen und uns mit den inneren Konflikten auseinanderzusetzen.

Hier einige Beispiele für Dilemmata, die hier vereinfacht dargestellt sind:
Berufliche Entscheidungen: Stehe ich für Sicherheit oder für meinen Traumjob
Beziehungen: Möchte ich Nähe und Intimität oder brauche ich Freiheit und Unabhängigkeit?
Gesundheit: Soll ich mehr Zeit investieren für Sport und gesündere Ernährung oder meine Genussmomente auskosten?

Diese Dilemmata sind oft von Emotionen durchzogen und erfordern ein tiefes Verständnis unserer Bedürfnisse und Werte. Ein Dilemma birgt die Möglichkeit, sich tiefer mit sich selber auseinanderzusetzen. Dafür brauchen wir Zeit. Ein Dilemma will durchschritten werden. Wenn wir es annehmen und fühlen, eröffnet sich ein Raum, der über richtig und falsch hinausgeht. Hier kann Wandlung geschehen, und das Dilemma verwandelt sich in einen lebendigen Fluss.

Sechs Positionen des Dilemmas (am Beispiel des Jobs):

  1. Entscheidung für Seite A: Ich entscheide mich für Sicherheit und bleibe in einem Job, der mich nicht erfüllt.
  2. Entscheidung für Seite B: Ich wage den Sprung in die Selbstständigkeit, ohne auf ein gesichertes Einkommen zu verzichten.
  3. Versuch, beide Vorteile zu vereinen: Ich versuche, einen Teilzeitjob zu behalten, während ich mein Unternehmen aufbaue – dies könnte eine Überforderung hervorbringen.
  4. Rückzug in Frust oder Widerstand: Ich resigniere und bleibe im ungeliebten Job, ohne aktiv etwas zu ändern.
  5. Die fünfte Position: Jenseits der Polarität erlebe ich einen Raum, in dem ich sowohl Sicherheit als auch Freiheit anerkennen kann.
  6. Die sechste Position: Ich erlebe mehr Vertrauen in mich selbst und meine innere Stimme. Ein Gefühl von Klarheit und Authentizität entsteht. Ich bin bereit zu handeln.

Vom Innehalten zum Handeln - Schritt für Schritt
Innehalten: Nimm dir Zeit, um deine Gedanken und Gefühle zu klären.
Reflektieren: Schreibe die Vor- und Nachteile beider Seiten auf.
Fühlen: Erlaube dir, die Emotionen, die mit beiden Seiten verbunden sind, zu fühlen.
Innere Stimme hören: Gönnen dir genug Zeit und Raum, um immer wieder deine Innere Stimme im Herzen zu hören.
Sichtweise wechseln: Suche nach der fünften Position, die beide Pole integriert.
Handeln: Triff eine Entscheidung, die sich in deinem Herzen stimmig anfühlt.

Um diese Position zu erreichen, müssen wir fühlend und gegenwärtig sein. Es ist ein stilles, inneres Ja, das keine Erklärung braucht – und gerade deshalb vollkommen ist. Dieses Ja kann uns in einen Zustand der Klarheit führen, in dem wir uns von äußeren Erwartungen befreien.

Häufige Edge Cases
Schnelle Entscheidungen treffen: Oft neigen wir dazu, impulsiv zu wählen, ohne die Tiefe des Dilemmas zu erfassen.
Verdrängung: Das Dilemma ignorieren und hoffen, dass es von selbst verschwindet, führt zu innerem Frust.
Schwarz-Weiß-Denken: Die Vorstellung, dass nur eine Seite richtig ist, schränkt unsere Möglichkeiten ein.

Stell dir vor, du stehst vor der Wahl, deinen sicheren Job aufzugeben, um deine Leidenschaft zu verfolgen. Indem du die Angst vor Unsicherheit fühlst und damit umgehen lernst und respektierst, kannst du eine Entscheidung treffen, die dich näher zu deinem wahren Selbst bringt.
Wenn du heute vor einer Entscheidung stehst, halte inne. Erkenne die Polarität. Frage dich: Welche Position nehme ich ein? Bin ich bereit, das Dilemma zu durchschreiten und ihm zu begegnen?

Das Dilemma ist nicht das Ende, sondern der Beginn einer tieferen Bewusstwerdung. Es fragt uns: Bist du bereit, deinen inneren Zwist zu beenden und zu fühlen? So beginnt die Wandlung – aus Entweder-Oder wird ein Sowohl-als-auch, und aus Spaltung entsteht Ganzheit.

Artikel Dezember 2025 ©Susanne Ahlendorf



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